Den Terror akzeptiert (für eine Lösung nie gekämpft).

Wieder ist es zu einem Anschlag in einem westlichen Staat gekommen, wieder beklagt Frankreich seine Toten. Dieses mal haben über 80 Menschen, Frauen, Kinder & Partygänger ihr Leben verloren. Doch allmählich verschwinden die Solidaritätsbekundungen in sozialen Netzwerken – das zeigt, dass wir den Terror allmählich akzeptieren.

Erinnern Sie sich noch an die Anschläge von Charlie Hebdo und kurze Zeit später auf das Bataclan?
Viele Menschen haben in dieser Zeit „digitale Solidarität“ mit den Opfern sowie mit Frankreich zeigen wollen und sich „jesuisisiert“ oder ihr Profilfoto in den französischen Nationalflaggen dargestellt.
Kein Jahr später steht Frankreich einem neuen, großen Terroranschlag gegenüber. Und es war nicht der einzige in dieser Zeit, denn auch während der EM gab es einen Vorfall mit einem Polizisten, der von einem Islamisten attackiert wurde.

Der IS hält weiter an seinem Ziel fest, die westliche Welt zu verunsichern, um Muslime auszugrenzen. Das ist und bleibt ein erklärtes Ziel des islamischen Staates und kein Terrorkonzept war je so erfolgreich. Die Menschen in Europa strömen in Scharen zu rechtspopulistischen Parteien, die damit Stimmung betreiben, was der IS ihnen bescherte – Tote durch Islamisten. Die Verunglimpfung einer Religion mit der ebenso absurden Rechtfertigung durch eben diese ist das traurig geniale Rezept des IS, denn es funktioniert. Anders, als andere Terrororganisationen reicht jeder kleine Anschlag aus, um uns im Westen zu verunsichern und den Muslimen die Schuld zu geben.
Diesen gesellschaftlichen Bruch möchte der IS und durch den westlichen Rechtsruck bekommt er ihn. AfD, FPÖ oder Front Nationale machen sich somit unwissentlich zum geplanten Handlanger der Extremisten, weil sie die Spaltung voran treiben, die dem IS mehr Muslime in unseren Ländern in die Hände treibt, um irgendwann den Westen innerlich zu spalten. In der Tat, wäre es höchst gefährlich, würde der IS diesem Ziel näher kommen.
Dann hätten wir im schlimmsten Falle tatsächlich Bürgerkriege und wären fortan ein Kriegsgebiet für den IS – so zumindest seine Vorstellung.
Der gesunde Menschenverstand der bürgerlichen Mitte lässt uns heute immer noch an dem Gedanken der Vernunft festhalten und daran glauben, dass derartige Szenarien ein Hirngespinst des islamischen Staats bleiben.

Dennoch hat sich mittlerweile etwas verändert. Um wieder zurück zum Anfang zu kommen: Wie viele Solidaritätsbekundungen seitens Webnutzer finden Sie heute noch? Wie sehr ist der Terror von Nizza Gesprächsthema in ihrem Freundeskreis und wenn er es denn überhaupt ist: Wie lange?
Der erneute Anschlag in Nizza ist keine „Sensation“ mehr, wie es das Attentat auf Charlie Hebdo war oder der Terrorabend vom November 2015.
Unsere Gesellschaft bedauert, aber sie resigniert allmählich. Das ist fatal, denn jeder Tote ist bedauernswert. Unschuldige Tote, die für einen islamistischen Fanatismus sterben mussten, weil der Westen zur Hassfigur in Teilen der muslimischen Welt geworden ist.
Die stille Gewöhnung an das, was geschehen ist, lässt auch fragen, ob sich der Bürger im klaren darüber ist, wie der IS-Terror beendet werden kann?

Er wird niemals mit Waffen ein Ende finden, aber genau das suggerieren uns derzeit wieder alle westlichen Politiker, die sich nicht in der Opposition befinden. Sie wollen noch härtere Luftschläge, noch mehr Attacken auf den IS, um ihn weiter zu schwächen. Dabei ist es absurd zu glauben, dass dadurch irgend etwas besser werden würde, denn die Schwächung des IS führt ja gerade dazu, dass er auf andere Mittel (Terrorismus ex Territorium) ausweichen muss. Das Durchführen von simplen Terroranschlägen in der westlichen Welt ist daher die effektivste Variante, um seine Kämpfer wieder aufbauen zu können.
Einen LKW auszuleihen und damit in Menschenmengen zu fahren die billigste, simpelste und verzweifelteste Art und Weise Terror zu verbreiten.
Der IS ist geschwächt und das lässt er den Westen seit einigen Monaten spüren, der ja immer noch sein erklärtes Hauptziel ist. Er möchte nicht nur einen Staat von Syrien bis Rom, er möchte den Westen seit Beginn des Terrors in einen Bodenkrieg drängen, Mann gegen Mann. Hier glaubt der IS als Sieger mit Heimvorteil hervor zu gehen und dem Westen eine triumphale Niederlage zu verschaffen.
Heute, 2016, hat er das immer noch nicht geschafft und auch nach dem Terror von Nizza sieht es nicht danach aus, als könnte er in absehbarer Zeit gegen westliche Soldaten kämpfen. Gewinnen würde er auch das wohl niemals, aber es würde zu noch mehr Opfern führen.
Deshalb wird dieser Teufelskreis auch immer weiter gehen, bis es der Westen geschafft hat, den IS bis in die Belanglosigkeit aus der Luft zu zerbomben.
Das jedoch ist auch mit hohen Opfern unter den Zivilisten verbunden. Bis dato sind immer noch weitaus mehr Zivilisten in den jüngsten Kriegen des nahen Ostens gestorben, als in Europa durch islamistische Terroranschläge und wie lange das dauern könnte – völlig unklar. Wie viele Racheakte es bei uns als Reaktion unseres Handelns geben wird – völlig unklar.
Wenn wir berücksichtigen, was ich Ihnen zu Anfang gesagt habe, ergibt sich daraus folgendes Bild:
Tote Zivilisten im nahen Osten, weiteres Leid im nahen Osten – all das ist ebenso wie die hier statt findende Ausgrenzung gegenüber Muslimen eine Möglichkeit weitere Kämpfer für den IS zu rekrutieren. Es ist daher völlig egal, wie lange und intensiv der Westen Syrien oder Afghanistan zerbombt, am Ende richten wir immer neues Leid an und schaffen die Grundlage für eine reiche Rekrutierung von gehirngewaschenen Fundamentalisten.
Wenn der IS dann irgendwann vernichtet wurde, wird es unter den traumatisierten Zivilisten wieder einen harten Kern geben, der gegen den Westen kämpfen möchte, um die zu rächen, was wir ihnen antaten, als wir glaubten den Terror zu bekämpfen.
Es ist also eine Teufelsspirale, die wir immer wieder von neuem lostreten. Daher macht es auch keinen Unterschied, ob unser Gegner IS oder Al Qaida heißt – am Ende gibt es durch das Handeln unserer Militärs immer wieder neue Opfer, aus denen neue Kämpfer hervor gehen werden.
Wir werden den Terror niemals mit westlichen Bomben besiegen.
Sich an den Terror zu gewöhnen ist keine Lösung, denn es wird nicht besser. Wir müssten handeln, um eine Veränderung zu erzielen. Dafür gibt es einige Lösungen.
Wieso rückt man nicht komplett aus dem nahen Osten ab und bildet fortan nur noch die dortigen Armeen aus? Je mehr „failed states“ wir zulassen und Rebellengruppen unterstützen, desto größer wurde der Nährboden für den Terror. Es gibt ein Land, dass genau das verhindern möchte, doch Russland haben wir uns nach jahrzehntelanger Nicht-Beachtung zum neuen, alten Feind gemacht und verachten seine Strategie, Assad zu stützen.
Westliche Soldaten sind ein Feindbild für die Terroristen und haben nichts mehr in diesen Ländern zu suchen. Es sollte viel mehr unsere Aufgabe sein, den Ländern unter die Arme zu greifen, in Bildung zu investieren und Sicherheitskräfte zu schulen.
Es bringt niemand mehr etwas unsere Bomben zu werfen, wir müssen unser Wissen verteilen.

Sie sehen es bereits: Das ist eine Farce und alles, was wir gerade unternehmen, ist einen internationalen Partner in Form von Russland, als solchen zu verlieren und damit Lösungen noch unwahrscheinlicher zu machen, während wir nach jedem Terrorakt mehr Bomben fordern.
Welch Hohn für die Opfer auf beiden Seiten!
Wo bleibt IHR Aufschrei gegen die hiesige Politik des Krieges?
Ohne dieses Umdenken werden Ihre Kinder in einer immer unfreieren Welt leben müssen, gesäumt mit Anschlägen, so wie es der schlimmste Hollywoodfilm sich nicht ausgemalt hätte.
Wenn Sie das nicht möchten, sollten Sie handeln und gegen diese Teufelsspirale kämpfen!
Oder Sie resignieren und akzeptieren. Verschwinden wird der Terror unter den derzeitigen Umständen nicht mehr…

 

 

Beitragsbild:

See page for author [Public domain], via Wikimedia Commons

 

P.S.: Dieses Beitragsbild zeigt Mohammad Mossaddeq und ist nicht zufällig das Beitragsbild.
Als er durch die CIA gestürzt wurde, entstanden in Folge dessen eine Vielzahl von Konflikten, die wir bis heute bekämpfen…

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