Der Untergang.

Die ultimative Bestandsaufnahme von Aquarianern, Terrarianern und den „bösen Tierrechtlern“. Quo vadis Tierhaltung?

Berlin 1945 2045: Die gemeinsame, selbsternannte Führungsriege der Vereinten Tierhalterszene von Aquarianern und Terrarianern sitzt vor den Scherben ihrer eigenen Existenz. Ein kleiner Berliner Bunker ist alles, was ihnen geblieben ist.
Der Endsieg gegenüber Tierhaltungsverboten wurde verfehlt. Die Kapitulation steht kurz bevor. Die deutsche Gesellschaft konnten sie nie hundertprozentig von ihren Idealen überzeugen. Ihre jahrzehntelange Propaganda, die der Verunglimpfung aller dienen sollte, die auch nur im entferntesten mit dem Gesindel der „Tierrechtler“-Ideologie in Berührung kamen, hat ein jähes Ende gefunden.
Die digitalen Lager, in die Veganer, Vegetarier, Kritiker und Tierrechtsbefürworter gesteckt wurden, voll mit ausgedachten Vorwürfen und Verleumdungskampagnen wurden gehackt. Die Gesellschaft möchte keine Gifttierhalter und Krokodilfanatiker mehr – sie versteht ihren Sinn nicht und legt viel mehr wert auf Nachhaltigkeit und den Schutz des Individuums vor Tierleid.
Ein paar Tage später und Deutschland ist ein Ort an dem es keinerlei Reptilien, Amphibien oder Fische mehr in Menschenhand gibt. Die Tierhalterszene ist nach ihrem Menschen verachtenden Großangriff gänzlich verschwunden.


 

Was für ein übertriebenes Horrorszenario werden Sie sicherlich jetzt sagen.
Aber Sie wissen ja: Die in Teilen satirische Seite Homoneo.de mag Hitler Vergleiche, aber findet Hitler doof. 😉
Natürlich ist eine solche Situation völlig unrealistisch, liebes Internet, aber sie beschreibt ein Thema, was mich immer mehr Kopf schüttelnd zurück lässt und mich selbst fragen lässt, inwieweit ich einem außer Kontrolle geratenen, irrationalen Mob mit kritischen Artikeln über PETA & Konsorten weiteren Zündstoff geben darf. Die Antwort dazu finden Sie am Ende des Textes. Haha!
Die Aquaristik und Terraristik Szene hat in der letzten Zeit begonnen „Bündnisse“ zu schmieden, mit denen man gegen das allseits gehasste Phantom „Tierrechtler“ in den Kampf ziehen möchte. Ja. In den Kampf. Wir sind bereits an einen Punkt der gegenseitigen Unsachlichkeit angekommen, an dem man militarisierte Begriffen benutzt.
Das glauben Sie nicht und halten es für übertrieben? Der seit einiger Zeit sehr aktive Dachverband der Tierhalter (DV-TH) spielt rhetorisch in dieser Hinsicht ganz vorne mit:

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Siehe Facebookseite: https://www.facebook.com/DVTHEV/?fref=ts

 

Nun kann man sich natürlich erst einmal fragen, ob man sich durch Leute mit einschlägiger Vergangenheit als privater Tierhalter wirklich vertreten lassen möchte und ob dieser Verband wirklich Interessen von Hobbyisten/Tierhalter und nicht eigene Lobbyinteressen auf dem Rücken der Privathalter vertreten möchte.
Wenn man das nicht denkt, dann fragt man sich: Wissen die überhaupt, wogegen die kämpfen?
Und wenn man dann ernüchternd feststellt: Nein – dann fragt man sich spätestens jetzt:

Warum zum Teufel werden Menschen, die Tiere in einem Zirkus zum Vergnügen des Menschen abrichten in einem Atemzug mit seriösen Tierhaltern genannt, die Beiträge zum Artenschutz leisten und warum soll man als Hobbyist Bündnisse mit solchen Verbänden eingehen?

Spielt doch der angestrebte Lobbyismus als Gegenpol zu „irgendwas-mit-PETA“  hier eine größere Rolle, als das Ziel der Legitimation der privaten Heimtierhaltung? Am Beispiel des DV-TH sehen wir einen Verband, der vorrangig durch Persönlichkeiten aus dem Handel repräsentiert wird und somit ein beträchtliches finanzielles Interesse an einem Ausbleiben von Haltungsverboten hätte.
Ein Zoo Zajac mit zahlreichen Haltungsverboten von „Exoten“ wäre mehr als nur um ein paar Attraktionen ärmer. Es wäre der Verlust des Kerngeschäftes, der den „größten Zooladen der Welt“ überhaupt erst rechtfertigt und möglicherweise der Gnadenstoß.
Ich möchte jedoch gar nicht weiter auf den DV-TH eingehen oder mich an bestimmten Personen abarbeiten, die dort als Mustervorlage zahlreich vorhanden wären, da ich denke, dass jeder Hobbyist selbst eins und eins zusammenzählen sollte, um sich seine eigene Meinung bilden zu können und entscheiden muss, ob er sich durch den Handel als Hobbyist vertreten sieht.
Vielmehr soll es in diesem Artikel um eine allgemeine Unzulänglichkeit vieler Interessenverbände gehen, die mich seit einiger Zeit verzweifeln lässt.

 

Die Mär vom Feindbild „Tierrechtler“

Von früh bis spät propagiert man einen Kampf gegen „Tierrechtler“, ohne auch nur eine gewisse Kenntnis über die Definition dieses Begriffs zu besitzen. Auch auf Homoneo.de habe ich dieses Wort in der Vergangenheit recht inflationär benutzt und fühle mich zu einem Prozentsatz im Promillebereich mitschuldig an der entfesselten Diskussion, wie wir sie mittlerweile haben. Artikel von Homoneo rund um PETA habe ich an den verschiedensten Orten gefunden und die Reaktionen darauf war häufig auch ein berühmt berüchtigter „Applaus von der falschen Seite“. Da war ja mal was… 😀

Die Vertreter der Halterverbände möchten gerne Flagge zeigen gegenüber einem Feind, den sie manchmal PETA, mal „Tierrechtler“ oder mal ganz abenteuerlich „linksgrüne Veganer“ nennen. Irgendwie aus dem Bauch heraus alles Begriffe, die man mit den Menschen verbindet, die sich für Haltungsverbote stark machen und gegen die Haltung von Exoten sind. Exoten, ein Begriff der mindestens ebenso schwammig definiert ist, wie der, des „Tierrechtlers“, zumindest in der mittlerweile gebräuchlichen Art und Weise. Wie unwissenschaftlich Tierschutz- und Tierrechtsverbände diesen Begriff nutzen, habe ich bereits vor einiger Zeit schon einmal erläutert. Nun machen jedoch die Tierhalter den selben Fehler und werfen alle angeblichen Feinde ihrer Zunft als „Tierrechtler“ über einen Haufen.
Dabei wird als Tierrechtler auch bezeichnet, wer sich darüber freut, dass Organisationen Missstände in der Fleischproduktion aufdecken oder sich für Naturschutz einsetzt. Dabei sind „Tierrechtler“ Verfechter von Rechten für Tiere, was jedoch so divers, wie uneinheitlich ist. In unserem Grundgesetz existieren bereits Rechte, die Tiere schützen. Als Verteidiger eben solcher Gesetze – muss ich mich als Tierrechtler bezeichnen?
Wenn tierhaltende Wutbürger das Wort „Tierrechtler“ benutzen, meinen sie eigentlich immer nur den kleinen Bodensatz der Gesellschaft, der sich aktiv und radikal in Tierrechtsvereinen engagiert. Das ist zum Beispiel PETA. Darum mag Homoneo PETA auch nicht. Die Gründe dafür finden Sie rechts in der Navigation. 😉
Oder wie es das völlig seriöse Jägerlobbyisten Pendant „outfox-world“ letztens ausdrückte:

Wenn Tierrechtler von Nabu & Co. keine Märchen verbreiten, geschieht in der Mark Brandenburg gerade ein biologisches Wunder:

Quelle: http://www.outfox-world.de/blog/sauen-verhungern-im-schutzgebiet.html

Öhm… einen Moment mal.
Tierrechtler von NABU? NABU!? Der Naturschutzbund, der überhaupt nichts mit Tierrechtsvereinen zu tun hat und sich für den Naturschutz in und um Deutschland stark macht?
Für das mediale Sprachrohr für Jägerlobbyismus, outfox-world, ist das irgendwie alles das selbe. Genau wie für viele tierhaltende Wutbürger, die mit dem Begriff „Tierrechtler“ ebenso überfordert sind, wie PETA mit dem Begriff „Exoten“. Das liegt womöglich daran, dass eine einheitliche Definition schwierig ist und sehr unterschiedlich ausfallen kann. Eine schwammige, inflationäre Nutzung dieser Begriffe ist daher äußerst kontraproduktiv für eine Diskussion, zumal „Tierrechtler“ in den meisten Diskussionen gegen das allseits bekannte „Gutmensch“ austauschbar wäre, was ebenso ein kaum definierbaren, wenig sachlichen Begriff darstellt. Denn ebenso wie wir in Deutschland nicht darauf verzichten sollten, dass Tiere weiterhin unter gesetzlichem Schutz stehen, sollten wir unsere menschliche Existenz nicht darauf auslegen das Gegenteil von gut zu sein – nämlich ein Schlechtmensch. Wer möchte das schon?

Mittlerweile ist „Tierrechtler“, wer den Tierhaltern auch nur im entferntesten etwas verbieten möchte. Veganer und Vegetarier zählen dann auch schnell dazu, da man hier einen Zusammenhang sieht. Als Teilzeit Vegetarier, der sich nicht in eine Kategorie stecken lässt, PETA nicht mag, aber NABU toll findet, müsste ich ein schizophrenes Wrack sein!
Oder wie wäre ein schlangenhaltende Veganer, der sich mit Tierrechten auseinandersetzt? Ein Albtraum für jeden, der sich den Kampf gegen diese „Verbotspolitik“ auf die Fahnen geschrieben hat. Doch diese Menschen gibt es tatsächlich. Und das nicht zu knapp. Pauschalisierungen von Menschen, die man in schwach definierte Kategorien stecken möchte, waren schon immer geistig zurückgewandt. Menschen sind leider kompliziert und diverser als ein einfacher biochemischer Prozess.
Mit einer solchen Position erzeugt man ein Schwarz-/Weißdenken, dass keinerlei Grautöne in der teilweise bereits aggressiv aufgeheizten Stimmung der Tierhalterszene mehr aufweist. Die Szene, die sich zum Teil einen „Kampf gegen Tierrechtler“ auf die kriegslüsterne Fahne geschrieben hat.

Wir reden hier von einem Politikum, bei dem beide Positionen auf einen gemeinsamen Nenner kommen müssen und beide Seiten vernünftige Argumente einbringen müssen, um ihre Daseinsberechtigung in unserer Gesellschaft zu untermauern. Wären die „Exotengegner“ und „Tierrechtlerhasser“ zwei politische Parteien, so würden sie sich an den rechten und linken Außenrändern befinden.

Jetzt wird es ungemütlich.

Der eigentliche Feind ist unsere Gesellschaft. Ja, das Problem ist die Gesellschaft an sich. Aber das war und ist nicht ihr Problem gewesen. Und genau hier versagt leider quasi jeder Halterverband seit vielen Jahren.
Es gibt praktisch keine öffentlichkeitsrelevanten Werbeaktion für das Hobby der Tierhaltung. Zwar hat der VDA vor einiger Zeit beispielsweise den „Tag der offenen Aquarien“ ausgerufen, doch ist die Arbeit von VDA, DGHT und auch allen anderen Vereinen in Sachen Eigeninitiative sehr gering, bis überhaupt nicht vorhanden. Zumindest in diesem Bereich. Beide Vereine haben großartige Dinge für das Hobby getan. Man findet sich seit einiger Zeit jedoch in der reaktionären Rolle des Widerstands gegenüber den bösen „Tierrechtlern“ wieder.
Die Tierrechtler, die linksgrünen Politiker und alle anderen, die angeblich viel weniger Ahnung als man selbst hat, haben es nämlich gewagt sich in die Liberalität der Tierhaltung in Deutschland einzumischen. Die, die gar keine „Exoten“ halten, haben sich in ein Thema eingemischt, dass sie eigentlich nichts angehe, da man sich als Mitglied der Halterverbände auf der wissenschaftlich fundierten Seite im Kampf gegen eine Ideologie sieht.
Zum Teil stimmt das, wie ich auf Homoneo bereits mehrfach dargestellt habe, doch wo waren die Halterverbände, als es darum ging das Hobby gesellschaftstauglich zu machen?
Ich habe seit einiger Zeit nebenberuflich in diversen Zoofachgeschäften gearbeitet. Und selbst unter den Tierbesitzern ist die Toleranz gegenüber Exoten oft gering. „Vogelspinnen?! Die gehören doch nicht ins Wohnzimmer!„.
Die Halterverbände können sehr froh darüber sein, dass dieses Thema politisch so unwichtig ist, dass es nie ein Referendum über diese Frage geben wird. Das sieht Deutschland Gott sei Dank ja sowieso nicht vor. Die Akzeptanz für die Heimtierhaltung von Vogelspinnen, Giftschlangen, Panzerechsen, Waranen und Co ist äußerst gering. Allein die Existenz von „niedlichen Mäusen“ als Frostfutter sorgt für großes Entsetzen beim hiesigen Hundehalter. Natürlich ist auch hier das Bild des Tierhalters wieder sehr divers.
Doch haben Exoten ein stetig wachsendes Imageproblem, welches ihre Gegner dazu veranlasst hat diese gesellschaftliche Skepsis mit Parolen gegen die Wohnzimmerhaltung von Exoten ganz abzuschaffen. Das war so erfolgreich, dass wir bundesweit immer mehr Haltungsverbote haben. Verbote ohne Grautöne, die zwischen Arten spezifisch unterscheiden.
Die Farbabstimmung haben Halterverbände in der Vergangenheit leider verpasst, weil sie bis heute nicht angefangen haben eine aktive Rolle in der Gesellschaft einzunehmen. Dazu reicht es nicht mehr den lokalen Kindergarten von Oer-Erkenschwick zum Tag des offenen Terrariums einzuladen und dem Enkel von Oma Koschinski eine Vogelspinne auf die Hand zu setzen, um damit einen schlecht geschriebenen Artikel im Oer-Erkenschwicker Lokalblatt zu erhaschen. Das war besser als nichts, aber es wird nicht mehr reichen, um Einflussnahme zu bekommen.

Schwanzlurche sind geil! Homoneo wurde aktiv.

Gerade deshalb hat Homoneo die Aktion „Schwanzlurche sind geil!“ gestartet, bei der pro Art, die nur noch durch Hobbyisten existiert, Social Media taugliche Banner erstellt werden sollen. Nicht, dass man mir vorwirft, ich würde nur meckern. 😉
Die deutsche Öffentlichkeit hat überhaupt keinerlei Kenntnis darüber, was Hobbyisten für die Arterhaltung und Tierhaltung im allgemeinen geleistet haben und gerade in diesem Moment  leisten. Sie denkt, dass seltene Arten sowieso nur in zoologischen Einrichtungen nachgezogen werden. Oder das irgend eine Privatperson eine neue Art entdeckt hat? Das so etwas nicht einmal unwahrscheinlich ist, wenn man entsprechende Länder besucht? Fragen Sie das einmal eine Person in ihrem Bekanntenkreis, die keine Tiere hält. Sie wird lachen.
Zoologische Einrichtungen haben den Vorteil, dass sie wie Unternehmen agieren (können), eine Pressestelle haben und im Fokus des öffentlichen Interesses stehen. Für sie ist es leicht Nachzuchterfolge als Neuigkeit in die Medienlandschaft zu etablieren. Dabei vermelden viele Zoos gerade im Aquaristik / Terraristik Bereich seit Jahren Erfolge, die Hobbyisten nicht einmal mehr beeindruckt, denn während der Aquazoo in Düsseldorf dafür ausgezeichnet wird, dass er Neurergus kaiseri nachgezogen hat, ist die Art bei einem Gang auf eine Börse oder einen Blick auf Terraristik.com bereits in der Terraristik etabliert. Die Art ist vielleicht immernoch hochpreisig und wird nicht häufig gehalten, aber die Nachzucht ist nichts spektakuläres mehr im Privatbereich.
Ein Zoo wird für diese Leistung jedoch ausgezeichnet. Und diese Fälle häufen sich.
Auch der als Sensation geteilte Nachzuchterfolg des Borneo Taubwarans (Lanthanotus borneensis) ist in der Hobbyhaltung zu diesem Zeitpunkt schon mehrfach geschehen. Und publiziert wurde das in entsprechenden Fachzeitschriften auch schon. Die liest jedoch kein Mensch aus der Gesellschaft, der sich nicht tief in der Materie befindet und nicht direkt mit dem Hobby zu tun hat. Darum sind hiesige Fachzeitschriften ein Medium allein für das Fachpublikum. Massenmedientaugliche Artikel, die auch in der ZEIT erscheinen könnten, bietet niemand an. Einzig Heiko Werning hat es geschafft in seinem großartigen TAZ Blog positive Werbung für die Terraristik zu machen. Die totalitäre Satire im Geiste des TITANIC Magazins, kommt jedoch nicht bei jedem Leser an. Satire sowieso nicht. Homoneo kennt das Problem… 😉
Eine andere Möglichkeit das Hobby der Öffentlichkeit zu zeigen hat Adrian Kozakiewicz von Insecthaus gefunden. Er ist seit einigen Jahren sehr aktiv in sozialen Netzwerken und zeigt Videos über Insekten und Wirbellose mit Alleinstellungsmerkmalen. Von Außen mag die Selbstinszenierung so manchen Terrarianer erst einmal abstoßen, doch Adrians Konzept hat eine breite Relevanz erzeugt. Mit großen, selbst gezüchteten Insekten tingelt er bereits durch große Massenmedien und der direkte Kontakt mit den Tieren, nimmt der Gesellschaft den Schrecken vor „Exoten“.
Auch das in die Öffentlichkeit tragen eines „Kellerhobbys“ hilft dem Hobby enorm. Terrarianer sollten ihm daher trotz einiger Bedenken dankbar dafür sein, dass er eine vertretbare Methode gefunden hat, das Thema gesellschaftsfähig zu machen.
Was weiterhin bundesweit fehlt, ist eine öffentlichkeitswirksame Kampagne, die für die gesellschaftliche Relevanz von Aquarianern und Terrarianern wirbt und von Verbänden losgetreten wird. Ein Adrian Kozakiewicz oder Heiko Werning alleine können und werden das nicht schaffen.

Doch die positive Werbung in unserer Gesellschaft ist leider noch nicht alles. Wer öffentlichkeitswirksam etwas positives für das Hobby bewegen möchte, um es auf die verdiente Ebene mit der Leistung von zoologischen Einrichtungen zu heben, muss das Zepter vollständig in die Hand nehmen, doch wird hier am kontroversesten diskutiert.

Endlich das Zepter in die Hand nehmen.

Tatsächlich gibt es nämlich auch nicht wenige „Exotenhalter“, die Börsen wie die Terraristika Hamm an sich ablehnen und sie als Problem für die Integration der Terraristik in die Öffentlichkeit sehen. Nicht wenige Terrarianer meiden solche Börsen, weil sie den Umgang mit den Tieren als unnötigen Stress sehen. Ihre Abneigung dieser Praxis gegenüber lassen sie jedoch nur äußerst selten konkrete Aufrufe folgen.
Als Terrarianer, der die Terraristika Hamm kritisiert ist man sowieso schnell unten durch. Das kann und darf nicht sein, denn es entzieht jedem Dialog die sachliche Grundlage, wenn diese Leute als „Nestbeschmutzer“ hingestellt werden.

Das Zepter in die Hand nehmen bedeutet nämlich nicht nur seinen anthropozentrischen Willen durchzusetzen, über Tiere in jeglicher Form bestimmen zu können, sondern auch aus der Halterszene heraus Vorschläge zu machen, bevor es jene tun, die nur Verbote sehen möchten.

Als Aquarianer beispielsweise kann und sollte man dafür kämpfen, dass wir keine Pangasius mehr im Handel sehen oder keine Krüppelzuchtformen in Form von Papageibuntbarschen.
Als Terrarianer muss ich darüber nachdenken dürfen, ob es sinnvoll ist, dass wir legal potenziell tödliche Wirbellose legal per DHL verschicken können. Wenn wir mit der Fachkompetenz als Terrarianer hier keinerlei sinnvolle Vorschläge machen, kommen wieder jene, denen wir nachher das Attribut „Tierrechtler“ andichten und schlagen ihr Zepter einfach um sich, bis Skorpione und Spinnen überhaupt nicht mehr gehalten werden dürfen.
Ein Gifttierunfall bei der DHL und es wird düster für das Hobby, weil es uns selbst nicht interessiert hat, sinnvolle Beschränkungen zu fordern.

Wenn Terrarianer andere Terrarianer als „Nestbeschmutzer“ bezeichnen, sobald sie kontroverse Ideen für die Entwicklung des Hobbys vorbringen, dann disqualifizieren sich diese Menschen für einen Dialog und sind wie die oben genannten schwarz/weiß Denker verantwortlich für die Verbote, die noch kommen mögen.

Es gibt zahlreiche vernünftige Ideen, die man haben kann und gegenüber der Politik anbringen könnte, weil es Punkte sind, die generell unter harscher Kritik stehen würden, würden sie öffentlich publik gemacht. Dabei muss es nicht so sein, dass man Terraristikbörsen verbietet, aber wenn man über die Terraristika geht und jedesmal zich Gifttiere sieht, die eigentlich per Anordnung in den gesonderten Gifttierraum gehören, darf man sich nachher nicht mehr darüber aufregen, wenn die Politik bei einem Zwischenfall Konsequenzen zieht.
Ebenso wenig, wenn dort lebendige Mäuse als „Futtermäuse“ verkauft werden, obgleich das im Tierschutzgesetz nicht zulässig ist. Terraristikbörsen sind keine gesetzlosen Orte, an denen einzig und allein der Wille der Tierhalter vorherrscht. Hier gibt es begründeten Diskussionsbedarf, den die Szene führen muss, bevor es wieder einmal die „Bösen“ tun…
Die Politik handelt bei einem unwichtigen Nischenthema wie „Exotenhaltung“ möglichst simpel. Verbote sind einfacher als Differenzierung, gerade wenn Verbotsgedanken von denen gesteuert werden, die ein falsches Bild von Terraristik und Aquaristik vermitteln möchten, um ihre eigene Vorstellung durchzusetzen.
Darum braucht die Aquaristik und Terraristik neben der lang ersehnten Positivwerbung auch eine Agenda, um als Stimme der Vernunft auch eine aktive Rolle einnehmen zu können.
Eine solche Agenda werde ich in einem separaten Artikel beispielhaft vorstellen.
Sie ist dazu da, um Grautöne in eine Diskussion zu bringen, die man mit einer sturen, reaktionären Position, wie sie die Szene derzeit ausübt, niemals gewinnen kann.

Schließlich geht es bei diesem Thema nicht um „gewinnen“.
Es sollte jedem Tierhalter um das Wohlergehen der/seiner Tiere gehen, nicht um ein anthropozentrisches Eigeninteresse.
Weder dem Händler, der durch etwaige Verbote sein Geschäft bedroht sieht, noch als Anhänger von PETA, in deren Form des Antispeziesismus die Wissenschaft der biologischen Taxonomie keine Rolle spielt.
Wer diesen Grundsätzen nicht zustimmt, mit dem erübrigt sich jede Diskussion.

 

 

Beitragsbild:

Von Bundesarchiv, Bild 183-V04744 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Link

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