Peta♥ riskiert ökologisches Desaster.

PETA liebt Bienen.
Wie auch alle anderen Tiere (außer Homo sapiens).
Sie zeigen in einem Artikel über den menschlichen Umgang mit Bienen (Apidae) den Lesern ihrer deutschen Website auch gleich, wie ernst sie es mit der Liebe zur Biene und der Gleichberechtigung (fast) allen tierischen Lebens meinen. Sie wollen sie vor menschlicher Einflussnahme schützen und propagieren: Honig ist nicht vegan!
8 Dinge, die nicht von dieser Welt stammen.
Im folgenden geht es um diesen Artikel, in dem Peta 8 Gründe gegen den Verzehr von Honig aufzeigt:

petabienenscreen
Zu finden auf: http://www.peta.de/honig#.U-tPH2Mmy1m

Erst einmal sollte klar gestellt werden: Natürlich hat PETA Recht, wenn sie sagen, dass Honig hier zu Lande ein Erzeugnis der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera) ist. Denn Honig besteht zu einem Teil aus Stoffen, die Honigbienen durch körpereigene Enzyme herstellen.
Durch den Anteil tierischer Stoffe ist somit der Definition nach, laut der Veganer auf Produkte verzichten, die Stoffe tierischen Ursprungs beinhalten, keine vegane Ernährung mit Honig möglich.
Um diese Gedanken für sich selber anzustellen, hätte es nach einem kurzen Blick in ein altes Biologiebuch oder auch auf Wikipedia, bereits Klick machen müssen. PETA braucht man dazu nicht.
Ob es nun sinnvoll ist, dieser Dogma blind zu folgen und somit seine vegane Lebensweise zu riskieren, ist sicherlich eine andere Frage. Doch PETA will mit ihren 8 Gründen zeigen, dass es so ist und zeigt vor allem, dass sie ökologische und ökonomische Zusammenhänge nie begriffen haben. Und noch viel schlimmer: Sie riskieren mit unsinnigen und falschen Schlussfolgerungen, dass man das Sterben unserer Honigbiene weiter vergisst.
Aber nun im einzelnen. Ich möchte dabei gar nicht auf alles eingehen und lediglich die schlimmsten hinterfragen.

 

1. Auch Bienen werden in der Massenzucht gehalten und ausgebeutet

Es ist selbstverständlich richtig, dass Bienen in einer „Massenzucht“ gehalten werden. (Zum „Ausbeuten“ kommen wir später)
Doch wie naiv sind PETAs Vorstellungen eigentlich von der Lebensweise, die Apis mellifera ohne menschliches Eingreifen aufweist?
schwarmbieneEine Biene pro Hektar Land? In der jede einzelne Honigbiene ihr Territorium besitzt und sich gelegentlich zur Teatime (ja auch bekannt als „Beetime“) mit anderen Bienen trifft, um ein Tässchen Earl Grey mit Honig zu schlürfen? Man sollte PETA dann einmal Bilder zeigen, die eine Aufnahme in einer natürlichen Umgebung zeigen. Und nein, es ist gerade keine Beetime.
Entweder hat man bei PETA jeden Bezug zur tatsächlichen Realität verloren oder man möchte einfach auf das Prinzip der „Massentierhaltung“ plädieren, egal, ob es Teil der natürlichen Lebensweise einer Art ist oder der Mensch eine spezifische Art darin unterstützt.
Es ist natürlich ein riesiger Unterschied, ob der Mensch aus einem Egoismus heraus andere Arten zusammenfercht, wenn er diese zum Nahrungserwerb züchtet, die normalerweise nicht in Schwärmen/Rudeln/Rotten leben oder ob es sich um Arten handelt, die ohne menschliches Zutun auf den Schwarm angewiesen sind.
Oder handelt es sich um Sozialphobien der ein oder anderen Autoren, die sich eine solche Lebensweise unter keinen Umständen vorstellen könnten. Immerhin ist es erklärtes Ziel von PETA Tieren die selben Lebensbedingungen und Rechte wie Menschen zu geben.
Doch zeigt sich bereits in diesem Fall: Der strikte Antispeziesismus wird in eine gefährliche Lächerlichkeit geführt, die einer anthropozentrische Sichtweise auf die Welt folgt und die gerade jene ist, die solchen Tieren schadet, denn sie verdrängt spezifische Bedürfnisse und ersetzt sie mit dem, was der Mensch möchte.

 

 

[…] In der Honigindustrie werden Bienen Opfer von unnatürlichen Lebensbedingungen, […]

Spätestens nach der ersten Überschrift fragt man sich natürlich, inwiefern PETA nun die natürlichen Lebendbedingungen kennt und diese nicht wieder aus ihrer anthropozentrischen Sicht erschließt und somit ad absurdum führt?
Die Honigindustrie bietet sicherlich keine umgefallenen Baumstämme als Lebensraum an, doch bietet sie Behältnisse an, die voll und ganz auf die Lebensweise der Biene abgestimmt sind. Natürlich auch aufgrund des Profits, aber warum ist dies ein Negativpunkt?
Dem kommerziellen Imker liegt es natürlich am Herzen, dass er gesunde und vor allem lebende Bienen besitzt, um eine möglichst große Menge Honig gewinnen zu können.
Dafür wird darauf geachtet werden müssen, dass der vom Menschen geschaffene Lebensraum der Biene bestmöglich zu Gute kommt.
Und das kann nur erreicht werden, wenn man sich mit der Lebensweise der Honigbiene auseinandersetzt und Erkenntnisse gewinnt, die man zum Wohle der Tiere umsetzt.

 

 

2. Bienen werden bei der Honigproduktion oft verletzt oder getötet
Viele Imker gehen beim Einsammeln des Honigs unachtsam vor. So werden die Flügel der winzigen Kreaturen oftmals beschädigt oder gar ihre Beine abgetrennt. […]

Es gilt das selbe wie zuvor: Einem Imker kann es natürlich nicht daran gelegen sein Bienen mutwilig zu verletzen oder gar zu töten.
Eine verletzte Biene kann keine Pollen mehr sammeln, der Honiggewinn reduziert sich folglich.
Zudem soll es da ja durchaus einige Fressfeinde der Biene im natürlichen Lebensraum geben, die Bienen gefährlich werden können… (und sie töten.)

 

 

[…] Königinnen werden im Übrigen künstlich befruchtet; dabei werden Drohnen, also männliche Bienen, eingesetzt, die während des Prozesses sterben. […]

Wirklich: Was soll man dazu noch sagen? Da lässt sich nur mit einem Zitat (Wikipedia) antworten:

[…]Eine junge Königin fliegt im Alter ab sechs Tagen bei geeignetem, sonnigem Wetter mehrmals zu einem Hochzeitsflug aus. Dabei paart sie sich mit insgesamt bis zu 20 Drohnen hoch in der Luft. Der Drohn stirbt bei der Kopulation.[…]

 

 

4. Bienen brauchen ihren Honig selbst
Bienen produzieren ihren Honig nicht aus Spaß oder, wie so mancher Imker gerne behauptet, für den Menschen – Honig dient den Bienen vielmehr als Nahrungsmittel. Der aus Pollen und Nektar hergestellte Honig enthält wichtige Nährstoffe, die für die Bienen, vor allem in den kalten Wintermonaten, […]

Ja, auch hier liegt wieder eine Halbwahrheit vor.
Bienen wären schon seltsame Tiere, würden sie einfach so für uns Menschen einen schmackhaften, süßen Sirup herstellen. Natürlich tun sie das nicht.
Aber ebenso bizarr wirkt die Unterstellung an die Imker, dass sie sagen würden, dass die Herstellung von Honig „aus Spaß“ erfolge. Personen, die sich halbwegs mit Honigbienen beschäftigt haben, werden diese Aussage kaum von sich geben. Ein Experte auf diesem Gebiet, wie Imker es sein müssen, noch viel weniger.
Wikipedia sagt hierzu nämlich:

[…] Honig entsteht generell erst dann, wenn eine ausreichende Menge pro Zeiteinheit von den Sammelbienen in den Bienenstock heimgebracht wird. Diese muss über dem laufenden Eigenverbrauch, der zur Ernährung des Bienenvolks und zur Aufzucht der Brut notwendig ist, liegen. Der Imker spricht dann von einer Blüten- oder Honigtautracht. Es werden also nur Überschüsse zur Bevorratung weiterverarbeitet und schließlich eingedickt als Honig gelagert. […]

Ein Imker ist auf die Zucht von Honigbienen angewiesen, wenn er große Mengen Honig gewinnen möchte.
Ihm soll dann nicht bewusst sein, dass ein Teil des Honigs notwendig für die Aufzucht ist?
Denkt man nicht daran, dass es Unsinn für einen Imker wäre seine Tiere so weit auszubeuten, dass die Zucht der Honigbiene unmöglich wird?
Es geht schließlich auch um die Zucht von Honigbienen, also auch um die Erhaltung der Art.

 

 

5.Bienen arbeiten hart für IHREN Honig
[…] Eine mühselige Arbeit – und das tagein tagaus.[…]

Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, wie ich auf diese Argumentation eingehen soll. Wissen Sie es?
Glaubt PETA, dass es moralisch verwerflich ist, ihnen das Produkt ihrer Arbeit zu rauben?
Fordert man indirekt eine Altersvorsorge für Honigbienen?
Werden Bienen depressiv durch den ständigen Raub?
Oder: Interessiert es die Bienen überhaupt, solange sie eine entsprechende Menge Honig besitzen, um ihr Volk erhalten zu können?…

 

Wir fragen uns nach all dem natürlich: Was wäre denn eigentlich die Folge, wenn wir PETA glauben könnten?
Die Einstellung und das Verbot der Imkerei. Keine weiteren, vom Menschen erstellten Bienenstöcke mehr.
Hier liegt nämlich der springende Punkt, den PETA ja immerhin erkannt hat. In der Grundschule würde man hierfür eine drei bis vier bekommen, denn grundlegendes wurde immerhin begriffen.

6. Das Bienensterben geht uns alle an
„Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“
Albert Einstein

Abgesehen davon, dass der arme Herr Einstein mal wieder als Zitatgeber herhalten muss und man sich nie sicher sein kann, ob er diese Zitate denn auch wirklich je von sich gegeben hat, möchte PETA nun mit dem Bienensterben argumentieren.
Dann ist man natürlich fein raus… aber leider werden, wie so oft, Zusammenhänge verkannt. In diesem Fall mit fatalen Folgen.

Das Bienensterben geht uns alle an. Bienen sterben und wenn es keine mehr gibt, hat die Welt vermutlich ein fundamentales Problem, denn Bienen sorgen zu etwa 80% für die Bestäubung von Pflanzen. Bienen sind natürlich nicht die einzigen Bestäuber, die dafür sorgen, dass wir in einem stabilen Ökosystem leben, aber vermutlich die mit dem Mammutanteil.
Stellen wir uns nun vor, dass wir von nun an die Imkerei einstellen.
Die Folgen wären eine Abnahme von Bienenvölkern. Wir würden ein Bienensterben, dass von uns produziert wurde, auf sich alleine stellen.
Zwar hat PETA einige Arguemente gebracht, die zeigen sollen, dass die Honigindustrie Mitschuld am Bienensterben ist, doch argumentierte PETA ja bisher auf einer völlig anderen Ebene, die die Haltung betraf und die Bienenhaltung an sich als negativ darstellen sollte.
Man mag PETA Recht damit geben, dass es durchaus Faktoren zu geben scheint, die in der kommerziellen Bienenzucht dazu beitrugen, dass Bienen beispielsweise weniger resistent gegenüber Schädlingen und/oder Krankheiten sind, wenn jedoch neben privaten Imkern auch der Industriezweig wegfällt, dann schert sich darum kaum einer mehr.
Rein quantitativ werden mit der Existenz von Imkereien viele Bienenvölker gepflegt und aufrecht erhalten, im Interesse der Gewinnmaximierung. Es wird Forschung betrieben, die aufgrund vorangegangener Argumente dazu beitragen muss, dass Bienen gesund bleiben, wenn man weiterhin profitabel Honig anbieten möchte.
Davon abgesehen gibt es, z.B. in Kleingartenanlagen, viele Hobbyimker, die sich gleichzeitig für Bienen interessieren, ihnen Lebensraum geben und Honig gewinnen.
Laut PETA wären alle Imker über einen Kamm zu scheren und als negativ zu betrachten. Die Folge wären immer weniger Bienenvölker und die Behinderung am Interesse der Arterhaltung. Dadurch, dass die Belastung durch Pestizide und Industrie weniger abnimmt, als eher zunimmt ist also kaum mit einer Verbesserung hinsichtlich des Bienensterbens zu rechnen.
Nein, ganz im Gegenteil! Nach Wegfall privater und kommerzieller Imker wird die Sorge um Bienen konzentriert sein auf diejenigen, die sich generell für ökologische Themen interessieren.
Man muss PETA aber zugutehalten, dass sie als „heldenhafte Tat“ folgendes anbieten:

Werden Sie zum wahren Helden für Bienen und bauen Sie im Garten ein artgerechtes Zuhause für die fleißigen Insekten, in dem sie sicher leben und überwintern können.

Das ist immerhin etwas, auch wenn es wenige Menschen gibt, die sich etwas derartiges aufbauen können, aber viele, die gerne Honig essen und es den Wegfall all der anderen Bienen in dieser Situation nicht kompensieren könnte.

 

 

© Beitragsbild: User:Waugsberg (Wikipedia), Bienen am Ast: User: Fir0002

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