Guter Tierschutz, schlechter Tierschutz.

& warum wir uns vom klassischen Denkmuster “Tierschutz/Vegetarier & Fleischesser, der Selbstbestimmung fordert” trennen müssen.
(…und ein kleiner Vorgeschmack auf das, was den Leser hier noch erwarten wird.)

Tierschutz ist richtig. Tierschutz ist wichtig. Vegetarismus / Veganismus ist eine gute Sache und ein erstrebenswerter Ziel einer Gesellschaft im 21. Jahrhundert. (Mehr dazu auch demnächst im Vegetarismus Artikel) Tierrechtsorganisationen und die Forderungen nach Haltungsverboten, Exoten oder Wildfangverboten oder die Verunglimpfung von Zoos sind jedoch schädlich für eben jenen Tierschutz. Ein Zirkus mit lebenden Tieren ist falsch und Gifttiere gehören definitiv auch in Privathand.
Leider scheint es zur heutigen Zeit fast unmöglich zu sein beides auf eine Ebene zu führen, ohne an einer der Extreme an zu ecken. Dabei verstehe ich unter “Extreme” jene, die mit Tierrechtsorganisationen sympathisieren und im Gegensatz dazu den überzeugten Fleischesser bzw den der sich auch seine private Tierhaltung nicht einschränken lassen möchte.
Diese banalen Fronten bauen sich nämlich schnell auf.

Mit den bald folgenden zwei Aktionen auf dieser Seite, von der die eine den heutigen Tierschutz seiner Kontraproduktivität überführen soll und die andere die aufzeigen soll, dass Vegetarismus/Veganismus erstrebenswert ist, lege ich sogleich auch meine persönliche Einstellung zum Thema Homo sapiens und dem Rest der Tierwelt dar.
Und das ist so eine Einstellung, die konträr zu dem ist, was die Öffentlichkeit in Deutschland, die in Sparten denkt, akzeptieren würde.
Da gibt es nämlich zum einen die Fraktion, die Vegetarier/Veganer ist oder mit diesen sympathisiert. Zum anderen die Fraktion, die entweder bekennender Fleischesser ist oder Halter von Tieren, deren Haltung die angeblichen “Tierschutz” Aktionen verbieten wollen.
Aber warum wollen sie das eigentlich?
Der deutsche Tierschutzbund oder unser Liebling PETA♥ geht davon aus, dass sogenannte “Exoten” nicht artgerecht zu pflegen sind und somit eine Haltung in Gefangenschaft ausgeschlossen erscheint. Darüber hinaus argumentieren sie scheinheilig damit, dass ja auch (auf einmal) der Mensch gefährdet sei. Von eklatant hoher Salmonellen Belastung bei Reptilien oder durch Gifttiere. Schade, dass diese Menschen in Deutschland leben. In Australien müssten sie beispielsweise mit einer hohen Anzahl an natürlich vorkommenden Gifttieren leben. Und zwar damit, ihnen überall begegnen zu können. In Deutschland stellen potenziell gefährliche Gifttiere aber Neozoen dar, die der weichgespülte Mainstream Deutsche, der gern auch mal den ersten Braunbär oder Wolf in seinem Territorium als Gefahr erkennt, eliminiert. Wenn man also (wie es oft getan wird) seitens der Tierschutz Organisationen propagiert, dass Gifttiere oder andere “Exoten” potenzielle Gefahren darstellen, ja dann verliert man weiter Bezug zur Umwelt.
In diesem Artikel: http://terrarianer.blogspot.de/2014/08/gefahrliche-tiere-die-doppelmoral-des.html?spref=fb
wird genau diese scheinheilige Verzerrung gezeigt.
Die angebliche Gefahr durch gefährliche Tiere ist eine unglaubliche Heuchlerei. Noch dazu denunziert sie einzelne Arten. Das passt objektiv betrachtet überhaupt nicht in das reguläre Argumentationsschema von Tierschutz oder Tierrechtsorganisationen. Warum tun sie es  also?
Weil sich damit die Leute aufrütteln lassen.
Weil es den Menschen Angst macht.
Der oben genannte Mainstream Deutsche, der maximal den weitaus gefährlicheren Canis lupus hält, hat Angst, wenn sein Nachbar Vogelspinnen oder Giftschlangen hält. Tiere, die er nur aus dem Fernsehen oder dem Zoo kennt. Weil er in Deutschland in einer rosaroten Seifenblase lebt, in der alles, was möglicherweise gefährlicher als der Haushund ist, nicht existiert oder bereits vom Menschen ausgelöscht wurde. Irgend ein entlaufener “Exot” führt somit zu einer kollektiven Panik oder dem Abpumpen von Kleinstgewässern, während selbiges Tier in anderen Ländern heimisch ist und den Menschen egal ist. Was der Deutsche nicht kennt und für gefährlich hält, will er nicht in seiner Umgebung.
Tierschutzorganisationen spielen mit der Angst vor dem Fremden. Wäre ich PETA, ja dann würde ich jetzt wohl zu Vergleichen mit Faschismus greifen. Mach ich aber nicht. Hitler.
Doch all diese Panikmache erscheint nur als Mittel zum Zweck, denn da ist noch die Hauptargumentation, dass solche Tiere in Gefangenschaft nicht zu halten wären.
Stattdessen sind Hunde oder Katzen, die aufgrund des menschlichen Egoismus domestiziert wurden, gegenüber Pogona vitticeps (Bartagame) oder Pantheropis guttatus (Kornnatter) geeignete tierische Mitbewohner. (Um den Begriff “Haustier” mal zu vermeiden…)
Vom Menschen, für den Menschen kreierte Rassen werden Arten, die ohne menschliche Einflussnahme leben, bevorzugt. Irgendwie absurd, dies von Tierschutzorganisationen zu hören? Aber das ist die Position vieler Verbände, mit steigender Tendenz.
Dabei benötigt ein Hund, der im Grunde immer noch Canis lupus (ein Wolf) ist, auch immer noch sehr viel Platz. Vergleicht man Territorien, die Wolfsrudel in der Natur zur Verfügung haben, so ist die Haltung in irgend einer menschlichen Behausung eigentlich ein Witz. Aber es ist gesellschaftlich und tierschutzrechtlich akzeptiert.
Da können Hunde für noch so viele Angriffe auf Kinder durch die Medien kreisen: Hunde, Katzen und Kaninchen sind in Deutschland akzeptiert und die Verantwortung wird dem Halter übertragen. Dieses “Modell” lassen viele Organisationen jedoch nicht für “Exoten” durchgehen. Man fordert Verbote, anstatt auch hier Menschen die Verantwortung zu übertragen.
Dabei ist die Haltung von vielen Tieren, die wir in unserer Seifenblase nicht kennen, in Gefangenschaft weitaus artgerechter zu bewerkstelligen.
Vogelspinnen, die nur eine kleine Höhle bewohnen und in ihrem Bewegungsdrang eher dem gemeinen RTL Zuschauer ähneln, sind dementsprechend naturnah und mit deutlich weniger Abstriche zu halten, als es beispielsweise bei Hund oder Katz der Fall ist. Hinzu kommen die engagierten Tierhalter, die diese Arten noch nachzüchten. Dieser Aspekt kann bei den akzeptierten Haustieren natürlich außen vor gelassen werden, denn da hat der Mensch bereits so viele produziert, dass Tierheime über quillen.
Hinzu kommt, dass es sich um Arten handeln kann, die vom Aussterben bedroht sind. Und zwar nicht, weil sie ein paar Menschen in einem Terrarium halten, nein weil ihre Lebensräume großflächig zerstört werden. z.B. auch für den Biosprit, den der hiesige Tierschützer fährt.
Eine weitere Entnahme einer bedrohten Art wird somit weitgehend verteufelt und die Population auf sich alleine gestellt. Was interessiert es mich, wenn Epalzeorhynchos bicolor (Feuerschwanz) in der Natur, tausende Kilometer entfernt von mir ausstirbt? Spende ich ein bisschen Geld für die Erhaltung des Urwaldes und teile ein Foto bei Facebook. Aber jene, die Tiere halten wollen, weil sie ein ernstes Zuchtinteresse haben, um die vom Menschen ausgerottete Art vielleicht doch zu erhalten, das sind Verbrecher. Und das ist die Realität.
Noch dazu habe ich mit dem Feuerschwanz ein sehr spezielles Beispiel ausgesucht. Diese Art ist bereits in der Natur ausgestorben*.
*Hinweis: Laut dieser Seite ist die Art wohl noch in kleinen Populationen existent. Es wird jedoch dargelegt, wie das Vorgehen der IUCN / der roten Liste gefährdeter Arten kritisch betrachtet werden sollte und weshalb die Aquaristik, also die Haltung von Fischen, die Populationen nicht gefährdet,  diese Tatsache aber offensichtlich öffentlich nicht erwünscht ist…
Dennoch ist sie immer noch ein begehrter Aquarienfisch. Zugegeben: 90% der Halter, halten diese Art falsch und besitzen ihr Aquarium vermutlich nur, weil es die Wohnung verschönern soll, doch ist die Art kaum als Nahrungsquelle interessant und wird somit von Zuchtbetrieben erhalten, da es Aquarianer in Übersee gibt, die diese Art halten möchten. Gäbe es diese Halter nicht, würde sich niemand um sie kümmern.
Hier gilt also wie bei jeder Art, die Tierhalter erhalten: Wenn es in Zukunft wieder Bemühungen geben sollte, den natürlichen Lebensraum wiederherzustellen und die Art wieder anzusiedeln, dann ist es immerhin noch möglich. Durch das Hobby von Menschen, die Tierschutzorganisationen nicht wollen.
Mehr zu diesem Thema demnächst auf Homoneo.de…

 

Und so gelangen wir zur anderen Seite der Medaille.
Denn auch, wenn es Tierschutz Organisationen hier zu Lande immer weniger gelingt, sinnige Aussagen zur Tierhaltung zu treffen, da diese kaum wissenschaftlich fundiert und mit Populismus, der destruktiv der Tierwelt entgegen wirkt gespickt sind, so gibt es selbst bei PETA Auffassungen, die richtig sind.
Dennoch sollte eine solche Organisation nicht als Vorreiter für solche Bestrebungen stehen, die für den Vegetarismus oder Veganismus werben. Alleine, da derartige Organisationen Werbung für Vegetarismus machen, bekommt dieser bei einem Teil der Bevölkerung bereits einen schlechten Ruf. Vegetarier und Veganer werden nämlich sogleich mit diesen teils fanatischen Tierschützern gekoppelt. Sie werden aus Sicht der Fleischesser zu einer Masse aus Ökospinnern, die einem die Freiheit rauben wollen.
Und das ist falsch. Der Tierschutz sollte sich darauf konzentrieren darzulegen,  warum es nicht notwendig ist andere Tiere zu töten bzw das menschliche Handeln so nachhaltig wie möglich zu gestalten.
Der Umgang mit dem Thema Fleisch ist mittlerweile an Dekadenz kaum mehr zu überbieten.
Wir können uns den Luxus leisten und andere Tiere nicht mehr nur am Fließband schlachten, wir können sie auch in ihre eigene Gedärme häckseln und mit Bärchengesicht an unsere Kinder verkaufen. In Supermärkten finden sich geschlachtete Tiere in jeglicher Form und Geschmacksrichtung. Fleisch hat sein ursprüngliches, fieses Gesicht verloren. Das tote Tier kennt kaum ein Kind mehr, wenn die Fleischwarenverkäuferin mit einem Lächeln auf dem Gesicht ein Stück Wurst for Free reicht. Es bleibt eben bloß eine Wurst. Oder Chicken Nugget. Blutleer und kindgerecht verpackt.
Wird dann eine Giraffe vor den Augen von Kindern an ein Raubtier verfüttert, das eben solche Tiere frisst, dann ist es grausam. Dabei ist es das selbe, was millionenfach weltweit in Schlachthäusern geschieht. Vor Kinderaugen wird es heutzutage fern gehalten. Viele Kinder haben somit gar nicht die Möglichkeit sich gegen den Verzehr eines Tieres zu entscheiden, denn der Ekel zwischen “Tier schlachten” und “Tofu Burger” fehlt, weil unsere Kinder zwar Sojabohnenfelder sehen dürfen, aber es verpönt erscheint ihnen ein Schlachthaus zu zeigen. Das nennt man wohl: Manipulation seit Kindesbeinen…
Was vom Konsumenten nicht gekauft wurde, wird halt weggeworfen. Eine Überproduktion an Tieren stirbt somit einen Tod ohne Grund. Täglich.
Diese Ferdi Fuchs-Situation macht deutlich, dass der Fleischkonsum in den Industriestaaten jegliches Maß verloren hat. Eine Frage, die über allem bei diesem Thema kreist ist immer:
Brauchen wir das wirklich noch?
Es gibt keinerlei medizinische/natürliche Begründungen für einen Fleischkonsum. Theoretisch könnten wir darauf verzichten. Aber wir haben uns stillschweigend dazu entschieden, weiterhin Tiere zu essen und zwar zu Genusszwecken. Genuss ist es dann, wenn es andere Alternativen gäbe und Fleisch nicht notwendig wäre.
Und trotzdem ist die Fleischproduktion immens hoch. Höher denn je. Davon abgesehen ist der ökologische Abdruck eines Steaks immens, aber ich denke, das wissen ja bereits die meisten.
Ein roter Faden im Gespräch zwischen Vegetarier und Fleischesser ist die Rechtfertigung. Ich persönlich möchte meine Mitmenschen nicht umerziehen und die Freiheit eines Individuums ist meiner Ansicht nach einer der kostbarsten Güter. So verwickele ich selbst selten bis nie einen Fleischesser in ein Gespräch über eben jenes.
Dennoch werde ich als Vegetarier umso öfter in ein Gespräch verwickelt. Und in einem solchen Gespräch, bei dem sich der Fleischesser entweder bevormundet fühlt (ohne, dass ich es tat) oder meine Ansicht verlächerlichen möchte, gibt es nicht all zu selten auch eine Rechtfertigung, ohne dass ich sie hören wollte.
Der Punkt ist, dass viele Fleischesser sich (zum Glück) bewusst sind, dass Fleisch essen sicherlich schädigender ist, als andere Ernährungsweisen, er jedoch von mir nicht belehrt werden möchte. Und das ist richtig. Die aggressive Bewerbung für den Vegetarismus ist kein Weg.
Natürlich wäre ich selbst nicht Vegetarier, würde ich es nicht für richtig halten, aber auch ich habe lange genug Fleisch gegessen und denke nicht, dass jemand darauf verzichten kann, wenn er nicht selbst zu einer Überzeugung gelangt, dass es verzichtbar ist. Und (ganz wichtig): Er es auch schaffen würde.
Letzteres sollte bis jetzt niemand von seinen Mitmenschen verlangen.
Denn letztlich hat auch Homo sapiens sich in seiner Geschichte immer auch von Fleisch ernährt.
Er hat jedoch auch Morde zugelassen.
Pädophilie betrieben.
Männer den Frauen gegenüber besser gestellt.
Homosexuelle ausgegrenzt.
Ethnische Minderheiten als wertlos betrachtet.
Lange Zeit ohne Tierschutzgesetze gelebt.
Vegetarismus/Veganismus ist daher kein Glaube oder eine Religion. Sondern ein Aspekt gesellschaftlichen Zusammenlebens, welches jegliches Leben mit einbezieht. So wie andere zivilisatorische Errungenschaften ebenfalls.
Darüber hinaus gibt es noch weitaus tiefgreifendere Begründungen, warum Fleischkonsum generell keine Methode des 21. Jahrhunderts mehr sein sollte. Mehr zu diesem Thema bald auch auf Homoneo.de …

 

Beitragsbild:
British Underwater Secrets- Admiralty Experimental Diving Unit, Tolworth, Surrey, June 1945. A29531“ von Oulds, D C (Lt), Royal Navy official photographer – http://media.iwm.org.uk/iwm/mediaLib//31/media-31180/large.jpgThis is photograph A 29531 from the collections of the Imperial War Museums.. Lizenziert unter Public domain über Wikimedia Commons.