Peta♥ riskiert Fischleiden.

“Holen Sie sie [Fische] aus den Glaskästen raus und bringen Sie sie zurück ins Meer. Sehen Sie sich den Film “Findet Nemo” an und verbreiten Sie die Botschaft des Films, nämlich, dass Fische in Freiheit leben möchten!” Damit ist bereits genug gesagt.
Dieser Artikel, um den es geht, ist bereits so alt (für die Internetzeitrechnung), dass ich ihn eigentlich unter “Peta♥ Classics” einordnen könnte. Er ist zudem einer meiner Lieblingsbeispiele dafür, wie PETA auf einem Niveau agiert, dass sich irgendwo zwischen der Bild Zeitung und der Seriösität des Postillon befindet. Außerdem ein kleiner Vorgeschmack auf die gerade (Stand 23.08.14) im Bau befindliche Aktionsseite “Tierschutz”.
Es geht dabei um dieses journalistische Meisterwerk voll sinniger Recherchearbeit:

https://www.peta.de/fische-in-aquarien-nein-danke#.U_iRz2NJO1k

Worum geht es in diesem Artikel? Peta schreibt in stark subjektiver Vermenschlichung zum Thema Aquaristik. Stark vermenschlicht, aufgrund solch schöner Anekdoten, wie;

“Tropische Fische, die in ihrer majestätischen Weise über die in brillanten Farben schillernden Korallenriffe gleiten, leiden entsetzlich, wenn sie dazu gezwungen sind, ihr Leben hinter Glasscheiben eingesperrt zu verbringen. Ihrer natürlichen Habitate und ihrer räumlichen Weiten beraubt, müssen sie ihr Leben in kargen, engen Becken verbringen.”

Oder auch:

“Fische sind wundervolle Kreaturen mit individueller Persönlichkeit und Eigenschaften, über die die meisten Menschen leider nur sehr wenig wissen. Sie kommunizieren miteinander, bilden Gruppen und trauern, wenn ihre Gefährten sterben.”

Gerne auch quellenlose Unsinnigkeiten, wie;

“Fische verständigen sich untereinander unter Verwendung einer ganzen Palette von Niederfrequenz-Geräuschen – vom Summen und Schnalzen bis hin zum Jaulen und Wimmern.”

Bis hin zum grandiosen Märchen:

“Die meisten Fische genießen ein Leben in Gemeinschaft und entwickeln spezielle Beziehungen zueinander. Auch altruistische Verhaltensweisen sind ihnen nicht fremd. Eine südafrikanische Publikation dokumentiert die Beziehung zwischen Blackie, einem Goldfisch, der an einer Deformation litt, die es ihm fast völlig unmöglich machte zu schwimmen, und Big Red, dem größeren Fisch, der mit ihm das Aquarium teilte. Jeden Tag nahm Big Red Blackie Huckepack und schwamm mit ihm umher; und wenn sie gefüttert wurden, transportierte Big Red seinen Freund an die Oberfläche, wo sie dann gemeinsam aßen.”

Eine Fülle von Vermenschlichungen teils abstruser Art. Bei der vor allem aber auch wieder der strikte Antispeziesismus PETAs deutlich gemacht wird.
Fisch ist Fisch für Peta. Und wichtig ist nur das Individuum. Dabei werden artspezifische Bedürfnisse völlig außer Acht gelassen. Man könnte gerade nach diesem Artikel meinen, dass PETA die Wissenschaft als solche gar nicht anerkennt und sich ihren eigenen Glauben konstruiert, aus dem, was der Mensch für wichtig erachtet. Natürlich kann dabei die “Gefangenschaft” nur unglaubliche Leiden hervor rufen, weil es obligatorisch für PETA erscheint, dass jedes Lebewesen ein Bewusstsein von Freiheit besitzt, so wie der Mensch eben. Dabei besitzen nicht einmal viele Menschen dieses Bewusstsein und befinden sich selber in ihrem ganz persönlichen, sozialen Käfig innerhalb ihrer Umgebung. Wo ist beispielsweise die menschliche Freiheit, wenn man dazu gezwungen ist zu Arbeiten, um Geld zu verdienen und somit Teil der Gesellschaft sein kann? Stellen unsere Rechte und Pflichten nicht bereits eine große Freiheitsberaubung dar? Wir können scheinbar zu einem Großteil damit leben und fühlen uns dennoch nicht eingesperrt, weil wir in einer modernen Gesellschaft menschliche, also artspezifische Bedürfnisse ausleben können.
Schlachthäuser sind dieser Logik nach folglich auch nichts anders als der Holocaust, denn Individuen des Lebens wurden systematisch umgebracht.
Eine solche anthropozentrische Sichtweise auf Lebewesen tötet. Vor allem die Lebewesen, auf die die menschlichen Attribute selbstgefällig projeziert werden.
Und immer an diesem Punkt tut PETA genau das Gegenteil von dem, was sie vorgaukeln zu machen: Tiere zu schützen.
Nein, sie töten Tiere nicht, weil irgendwelche Vegetarierhasser “PETA tötet Tiere”-Aktionen präsentieren, bei denen nicht nur PETA im Fokus steht, sondern der Karnismus verteidigt wird und eine Art Lobbyarbeit geleistet wird.
PETA tötet, weil sie die Wissenschaft nicht anerkennen. Sie erkennen Arten nicht an. Sie räumen Arten keine objektiven, spezifischen Bedürfnisse ein, sondern ersetzen artspezifische Bedürfnisse mit Dingen, die Homo sapiens für wichtig erachtet. Sie betrachten artunabhängig das Individuum, welches sich nicht nach seiner Art richtet, sondern die Bedürfnisse benötigen sollte, die aus anthropozentrischer Sichtweise für richtig gehalten werden. Darum propagiert man, dass Tiere die selben Rechte und Lebensbedingungen wie Menschen erhalten sollen.
Und genau diese Tatsache macht PETA nicht zu einer Tierschutzorganisation, sondern zu einer rein humanistischen, die die menschliche Selbstdarstellung und Beweihräucherung fördert und der Welt scheinbares Leid ersparen soll, also auch dem Menschen.
Diese Art des scheinbaren Tierschutzes ist brandgefährlich. Und anhand der auf den Zug aufspringenden Organisationen, wie dem eigentlich recht seriösen deutschen Tierschutzbund z.B., werden Rufe nach “Exotenverboten” oder “Wildfangverboten” immer lauter und gelangen zunehmend in die Politik.
Politiker tun gerne etwas für den Tierschutz und Verbote sind leichter umzusetzen, als Regelungen. Daher sind Politiker für die aufkeimende und für den Tierschutzt kontraproduktive Ansichtsweise deutscher Tierschutzverbände ein leichtes Ziel. Und auch die schätzungsweise 97% der Bevölkerung, die keine Reptilien, Chinchilla & Co halten, begrüßen natürlich weniger potenzielle Gifttiere in ihrer Umgebung, von denen sie keine Ahnung haben außer das, was Dokumentationen ihnen vorgegaukelt haben.
Näheres dazu deshalb bald unter dem Menüpunkt “Tierschutz”.

Nun möchte ich jedoch so fair sein und noch auf die ein oder andere Quelle der Argumentationsweise dieses Artikels eingehen. Denn ja: Tatsächlich gibt PETA für fast alle Aussagen, die nicht gerade humanistische Euphemismen beinhalten, auch Quellen an.
Als Quelle mit weitreichenden Infos gibt PETA z.B. diesen Link von Welt Online an: http://www.welt.de/wissenschaft/article1361732/Gefaehrliche-Exoten-im-Wohnzimmer-verboten.html .
Zuerst einmal lässt sich darüber streiten, wie seriös ein Artikel eines Springer Blattes ist, zumal Welt Online ebenso wie die Bild nicht gerade für eine unabhängige Berichterstattung in anderen Rubriken bekannt ist.
Dann aber liest man schnell folgendes:

Gift des Pfeilgiftfrosches reicht aus, um 20.000 Mäuse zu töten

Das mag vielleicht grundsätzlich stimmen. In der Realität jedoch sollte man wissen, dass:

Tiere in Gefangenschaft ihr Gift verlieren, ihre Nachkommen ungiftig sind. Für die Synthese des Giftes (Batrachotoxin) werden Alkaloide spezieller tropischer Futterinsekten benötigt.

So schreibt es nicht nur Wikipedia. Das bestätigen auch Halter und Züchter von Pfeilgiftfröschen.
Nunja, damit ist die Seriösität dieses Artikels zumindestens zu einem Teil als fragwürdig einzustufen. Immerhin lässt Welt Online am Ende noch eine Sprecherin des DGHT zu Worte kommen, die nebenbei erwähnt, dass in Gefangenschaft gehaltene Exemplare nicht mehr giftig sind.
Aber immerhin fußt auf dieser Quelle das sehr gewichtige Argument PETAs:

Hans-Jürgen Bigos vom Tierschutzverein Limburg geht davon aus, dass in Deutschland allein rund 80 Millionen Zierfische in jedem Jahr „einen völlig sinnlosen Tod“ sterben – Arten wie Muränen, Haie, Rotfeuerfische, Steinfische, „nur weil die Halter nicht befähigt sind“.

Nun möchte ich nicht zynisch sein, aber ich denke die Frage ist berechtigt: Was berechtigt Herrn Bigos dazu, diese Behauptung aufzustellen? Naja, eigentlich nichts. Sollte der Titel “Mitglied des Tierschutzverein Limburg” nicht neuerdings mit Fachkompetenz hinsichtlich statistischer Erhebungen von Mortalitätsraten bei Zierfischen verbunden sein.
Denn der (vielleicht) liebe Herr Bigos ist nach längerem Suchen nur im genannten Zitat von Welt Online oder Peta selbst zu finden. Die Quelle, die PETA also für derartige Behauptungen angibt, ist irgend eine Person eines lokalen Tierschutzvereines, die (wenn sie denn doch existiert, wovon ich einfach naiverweise mal ausgehe), auch davon ausgeht, dass diese Zahlen stimmen. Und unter diesen 80 Millionen Fischen Muränen und Haie zu einem relevanten Teil vertreten sind.

Gleich 3 Stellen im Text, inklusive der schönen Geschichte über zwei Golfische entstammt aus ein und dem selben Buch von Stephen Budiansky aus dem Jahre 1995.
Leider konnte ich zu diesem Buch “What Animals Say to Each Other” nichts mehr im Internet finden. Sollte jemand das Buch kennen, ich würde gerne einmal den O-Ton lesen… 😉

Und dann gibt es den einen, bereits im Einleitungstext zitierten Punkt, der diesen Artikel in eine solche Lächerlichkeit zieht, die aber gleichzeitig genau die potenzielle Gefahr aufzeigt, die ich zuvor bereits beschrieben habe. Als Fazit von alle dem schreibt PETA nämlich:

“Bitte kaufen Sie kein Aquarium. Fische gehören in die Freiheit und nicht hinter „Gitter“. Holen Sie sie aus den Glaskästen raus und bringen Sie sie zurück ins Meer. Sehen Sie sich den Film “Findet Nemo” an und verbreiten Sie die Botschaft des Films, nämlich, dass Fische in Freiheit leben möchten!”

Das heißt;
Der Disney Kinofilm “Findet Nemo” soll eine Botschaft vermitteln, die PETA begrüßt ?
Haben sie sich den Film bis zu Ende gesehen?
Erst einmal ist es natürlich ein animierter Trickfilm von Menschen für Menschenkinder, mit rein menschlichen Eigenschaften der Protagonisten. Nicht vergessen darf man dabei, dass das Zielpublikum Kinder sind. Kinder, denen laut PETA also vermittelt werden soll, dass Fische in Freiheit leben wollen.
Zwar geht es in dem Artikel von PETA aufgrund der getätigten Aussagen scheinbar nur um Meerwasserfische, auch wenn die “Botschaft” des Artikels Fische wieder mal verallgemeinert, aber hier liegt die Gefahr; Kinder schnappen diese scheinbare Botschaft auf und wollen die Fische der Eltern auf  eigene Faust aussetzen oder durch den im Film zitierten “Porzellan Express” (Toilette) in die Freiheit schicken, unabhängig davon, ob Meer-, Süß- , Kalt- oder Warmwasserfisch. PETA macht ja hier auch in ihrer Aussage keine Unterschiede; Fische gehören ins Meer.
Ich erinnere mich zudem daran, das damals nicht nur die obligatorische Nachfrage nach “Nemofischen” für das Aquarium wuchs, sondern es den ein oder anderen Fall von “Freilassung” gab – egal ob es Meerwasserfische waren, die unbedacht in irgend ein Gewässer ausgesetzt wurden oder Süßwasserfische, die den Kältetod gestorben sind. Die Botschaft dieses Filmes kann nicht sein, dass Fische an sich in die Freiheit entlassen werden müssen, wie es im Film dargestellt wird. Es ist eine Farce solche Schlüsse zu ziehen. Fische, die in Deutschlands Aquarien schwimmen, lassen sich nicht in Freiheit entlassen, ohne dem Ökosystem oder den Fischen zu schaden oder sie zu töten, was in 99% der Fälle eingetreten sein dürfte.

Dieses Problem kann gar schreckliche Ausmaße erreichen, wenn die Rufe nach Verbote bestimmter Tierarten in Deutschland bei Politikern ankommen, die offenen Ohres dafür sind. Die nun illegal gewordenen Halter und Züchter diverser Tierarten wissen nicht mehr wohin mit den Tieren.
Und dann man hat ein neues Problem: Neozoen. Wenn PETA diesen Begriff und dessen Tragweite überhaupt (aner)kennt…

3 Kommentare von Besuchern zu: “Peta♥ riskiert Fischleiden.

  1. Duras 17. Mai 2015 14:10

    Hi,
    Das spricht mir aus der Seele. Als Aquarianer, der auch Fischarten hält, die extrem vom Aussterben bedroht sind, ist es mir wichtig auch klarzustellen warum es Wildfänge geben muss.
    Viele Süsswasserfischarten sterben aus, weil ihre Habitate zerstört werden. In Südamerika leben viele Fischer vom Verkauf von Zierfischen. Aber auch in Asien geht es langsam vorwärts. Das ist sehr wichtig, da man dadurch Habitate schützen kann, da sie der Bevölkerung Grundeinkommen sichert. Ansonsten müssten diese Gebiete (wie es oftmals schon vorgekommen ist) Plantagen weichen.
    Durch Plantagen wurde z.B. das Habitat des Betta livida vernichtet, der mittlerweile als ausgestorben gilt. Einige wenige Exemplare gibt es noch in Aquarien. Damit wird jetzt versucht einen sicheren Stamm aufzubauen, da diese Fischart sonst verloren ist.
    Betta persephone vom Fundort Ayer Hitam gibt es nur noch in Aquarien. Ebenso der beliebte Feuerschwanz.
    Man sollte also nicht die gesammte Aquaristik als Tierquälerei bezeichnen, denn in einigen Fällen ist es die letzte Möglichkeit für gewisse Fischarten zu überleben.

    Übrigens, was die Vermenschlichung von Fischen angeht: Fische schmusen miteinander? Frag mal ‘nen Piranha. Da gehört es dazu, dass schwächere oder kleinere Artgenossen gefressen werden. Bei vielen Fischarten vergreifen sich grössere Geschwister an kleinere und verspeisen sie. Ganz davon abgesehen, dass es viele Fischarten gibt, die Einzelgänger sind. Die wollen garnicht mit Artgenossen gehalten werden. Teilweise gibt es dann Mord und Totschlag. Wenn ich mir den Artikel von PETA durchlese, bezweifel ich, dass es möglich ist eine sachliche Diskussion mit denen zu führen. Ich kam mir vor, als hätte ein 12jähriges Mädel den Text geschrieben, so vermenschlicht wie der war….

  2. Channastriata 23. August 2014 17:28

    Nemo ist Pixxar nicht Disney!

    • Mike 24. August 2014 3:05

      Ja, war es nicht zu dem Zeitpunkt des Erscheinens. Mittlerweile gehört Pixar aber Disney, daher denke ich, ist es legitim Disney zu nennen.

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